monochrom dreams - Arbeiten von Ute Deutz 20. 2. bis 20.3. 2026

 

 

Die künstlerische Arbeit von Ute Deutz umfasst Objekte, Collagen und Installationen, angeregt durch soziale und zwischenmenschliche Themen. Sie versteht sich als konzeptionell arbeitende Künstlerin.

Ihre Werke, durch die sie in einen Dialog mit den Rezipienten treten will, zeugen von ihrem hohen Anspruch an eine kunstfertige und ästhetische Gestaltung.

 

Die Schemen der Erinnerung

Kunst der Zwischentöne

Ute Deutz „monochrome dreams“

 

Aus dem „broken castle“ dringt ein warmer Schein. Einladend im ersten Moment, doch es leuchtet nicht durch die Fenster des kleinen Hauses – das orangefarbene Licht kommt durch das kaputte Dach, die Mauern sind schwarz. Vielleicht ist es doch ein Brand? Einzig das XS-Format des von Ute Deutz konstruierten Objekts bewahrt einen vor leisem Schauder. Als Miniatur wirkt es immer noch wie eine, wenn auch glühende, Puppenstube. Das Kaputte, Versehrte aber, das die Künstlerin im Titel der Arbeit behauptet, lässt sich nicht komplett wegdeuten: Etwas Ominöses ist mit oder in dem Haus, das ein Refugium sein sollte, geschehen.

Die Anziehungskraft der Ausstellung „monochrome dreams“ speist sich aus solchen subtilen Kontrasten. Sie entfalten sich in einem Bild wie „news“, auf dem mit schwarzer Farbe getilgt ist, was diese Neuigkeiten sein könnten. Oder in der Serie „nightviews“, wo die Details der Architektur, fliegender Krähen und anderer Motive unter einem nachtgrauen Schleier verwischen. Man muss schon sehr genau hinschauen, um ihre Feinheiten zu erfassen. Darum geht es: um Zeit, Reflexion und einen Blick für Zwischentöne.

Von einem „stillen Dialog“ spricht ein Text auf der Website der Berliner Künstlerin. Laut sind sie keinesfalls, aber konzentriert und voller Information, wie sie historische Fotos, Bücher oder gebrauchte Stoffe über die Zeit gespeichert haben. Ein von Weiden gesäumter Fluss und Bergpanoramen, die für die Bildkästen „sideviews“ (2025) verwendet werden. Eine Militärparade oder ein älterer Mann am Tisch, der den Eindruck eines Patriarchen macht. Ute Deutz bringt die Eindrücke zum Schweben, indem sie die Bilder zurück ins Negativ belichtet, die Farben verändert oder mehrere Impressionen hintereinander staffelt.

Das Konkrete der jeweiligen Situation verschwindet. Zurück bleiben Bilder, die wie Schemen der eigenen Erinnerungen funktionieren. Geschichten drängen aus dem Unbewussten; nicht alles ist angenehm, wie beim „broken castle“ gibt es düstere Ecken.

Erstaunlich ist die Komplexität der vorwiegend kleinen Assemblagen. Eine Arbeit wie „once upon“ entfaltet sich über einen längeren Zeitraum. Anderes gestaltet die Künstlerin großformatig. „Dance“ (2026) etwa zeigt diverse Scherenschnitte einer anonymen Tänzerin, die sich nackt und expressiv bewegt. Ihre Silhouette entstammt dem frühen 20. Jahrhundert, als im Zuge reformerischer Bewegungen der Körper eine neue Rolle spielte. Als Medium der individuellen Ausdruckskraft – aber auch als Objekt, das man unverhohlen anstierte.

Noch deutlicher wird die Künstlerin in der 16-teiligen Arbeit „fressen“. Es geht um Mädchen und Moral, um die Warnung vor dem Wolf, die Ute Deutz mit in jeder Hinsicht schablonierten Motiven hinterlegt. Der Text stammt aus dem 17. Jahrhundert, sein Autor Charles Perrault schrieb auch „Rotkäppchen“. Noch ein Hinweis, wie tief Ängste, Vorurteile, Sehnsüchte und Begierden in der (eigenen) Vergangenheit verwurzelt sind. 

Christiane Meixner Tagesspiegel 12. März 2026

 

 

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