Kunstraum/Werkstatt für Gegenwartskunst in Berlin - Friedenau

Wer ein Kunstwerk verstehen und genießen will, der gehe (...) und kaufe einen Stuhl, setze sich in richtiger Distanz und suche, in Schweigen verharrend, wenigstens eine Viertelstunde sein verehrliches Ich zu vergessen."

Anselm Feuerbach, Zur Betrachtung eines Kunstwerkes  1879

 

Aktuelle Ausstellung

 

LE CITTÀ INVISIBILI

Claudia Virginia Vitari

 

 

Claudia Virgina Vitari wurde in Turin geboren. Sie hat an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein der Universität Halle studiert. Ihr künstlerisches Interesse richtet sich auf das Verhältnisses zwischen dem Individuum und der Gesellschaft  und dabei besonders auf Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben: in psychiatrischen Institutionen, in Haftanstalten oder Asylantenheimen.

Sie verwendet Interviews, Mitschriften von Gesprächen und  Zitate und zieht Fachliteratur, themenverwandte Filme und Belletristik hinzu.  Aus Selbstbeschreibungen der Protagonisten und durch von der Künstlerin angefertigte Zeichnungen, Siebdrucke und Masken entsteht ein persönliches Porträt jedes Einzelnen.

Ihr Anliegen ist es, das Unsichtbare sichtbar zu machen: die individuellen Lebensgeschichten und den an den Rand der Städte, ins Verborgene ausgelagerten Teil unserer Lebenswirklichkeit.

Die Atmosphäre, die Stimmungen  und Eindrücke werden in einer Kombination aus Zeichnung, Bildhauerei und Installation in zwei- und dreidimensionaler Form dargestellt. Dabei verwendet Claudia Vitari durchsichtige Materialien wie Harz und Glas, die von Metallelementen eingefasst sind. Wie durch ein Fenster kann der Betrachter in das Innere der beleuchteten würfelförmigen Objekte und metallenen Lichtkästen hineinsehen.

 Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten sind im Rahmen des Projektes “Die unsichtbaren Städte” in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern  von Radio Nikosia in Barcelona entstanden.  Radio Nikosia ist ein Sendeprogramm, das von Menschen mit Psychiatrie- Erfahrung gestaltet wird. Mit ihren Beiträgen geben sie einen Einblick in ihre eigenen Erfahrungen vom Leben in „totalen Institutionen“. Damit leisten sie - wie auch  die Künstlerin mit ihrer Arbeit - einen Beitrag gegen die Ausgrenzung und Stigmatisierung von Randgruppen.

Aktuell arbeitet Claudia Vitari an einem Projekt mit geflüchteten Menschen in Berlin. 

 

Am Do 30.November fand eine Lesung mit anschließender Diskussion statt.                                                            Italo Calvino „Die unsichtbaren Städte“                                                                                                            Erving Goffman: „Asyle - Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen“

Viele der von Goffman beschriebenen Strukturmerkmale totaler Institutionen sind in psychiatrischen Kliniken in Deutschland inzwischen überwunden – oder nur noch in Resten vorhanden.

Claudia Vitari thematisiert in ihrer Arbeit die Eingeschlossenheit von Menschen in psychiatrischen Kliniken und in totalen Institutionen wie Haftanstalten und Flüchtlingslagern.

Mit ihren Zeichnungen und Objekten problematisiert sie die Widerstände und Grenzen, auf die jeder Einzelne in seiner Entwicklung stößt. Die ihre Zeichnungen umschließenden Metallrahmen können als eine Metapher für die Begrenzungen jedes menschlichen Lebens angesehen werden.

 

Am 8. Dezember fand unter der Leitung von Dr. Franz Neckenig eine stil-geschichtliche Kunstbetrachtung der Arbeiten von Claudia Vitari statt. Dabei wurden die Arbeiten "Das Meerwunder" von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1498 und "Der Koloss" von Francisco Goya aus dem Jahr 1820 zum kunsthistorischen Vergleich herangezogen. Ausführlich wurden Form, Gestaltung und Inhalt der Arbeiten von Claudia Vitari analysiert und ihr künstlerischer Wert gewürdigt.

 Ausstellungen in 2018:

 

5.1. bis 2.2.2018 Barbara Leding, Viola Mönter - Malerei und Skulptur

23.2. bis 23.3.2018 Irene Warnke - Malerei

13.4. bis 18.5.2018 Heiner Preißing - Malerei

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